Bereit für die neue Arbeitswelt?

Veröffentlicht am in Interview, Logistik der Zukunft, Technologie, Trends
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Digitalisierung und gesellschaftliche Trends verändern unsere Arbeitsweise, die Arbeitsplätze und vor allem die Rolle des Menschen. Wie sehen in Zukunft unsere Arbeitsplätze aus und wie lassen sich zukünftige Anforderungen umsetzen? Damit beschäftigt sich eines unserer Future Teams.

Womit beschäftigt sich das Future Team Arbeitsplatz der Zukunft?

Erich Eicher: Wir erarbeiten, wie ein Arbeitsplatz in der Logistik zukünftig aussehen wird. Dafür untersuchen wir, wie sich der Mensch in seiner Arbeitsrolle verändern wird und inwiefern dies auch im intralogistischen Kontext zutrifft.

Thomas Johaim: Weil jede logistische Lösung auch Arbeitsplätze beinhaltet – vom Wareneingang, der Kommissionierung über Retouren bis zu den Packarbeitsplätzen.

Erich Eicher: Aber auch bei Back-Office-Arbeitsplätzen kann man neue Technologien einsetzen: Arbeitsplätze besser vernetzen, zum Beispiel mit Social Media, Chats nutzen anstatt wie bisher per E-Mail zu kommunizieren. Darüber hinaus bietet das Intranet auch Spielraum für Gamification. Das Thema hat sehr viel Potential.

Welche Einflussfaktoren bestimmen die Art, wie wir in Zukunft arbeiten werden?

Thomas Johaim: Daten und Informationen, die wir zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Qualität bereitstellen, werden großen Einfluss auf den Operator und auch übergeordnet auf das gesamte Lager haben. Informationen werden zwar auch jetzt schon bereitgestellt, aber die Art der Informationsbereitstellung wird sich ändern und die Daten werden auf jene reduziert, die wir wirklich brauchen.

Geht es nur um Schnelligkeit und Effizienz oder auch um die Gesundheit?

Thomas Johaim: Die entscheidenden Fragen sind: Wie schaffe ich es, den Menschen so zu motivieren, dass er die geforderte Leistung und Qualität erbringt und dabei gesund bleibt? Und: Wie gestalte ich seine Arbeitsweise so angenehm als möglich?

Welche Rolle spielen digitale Assistenten?

Erich Eicher KNAPP AG
Erich Eicher, Software Architect & Project Lead KNAPP AG

Digitale Assistenten können helfen, die Leistung zu verbessern, indem sie Aktivitäten messen und dann Feedback geben. Ein Personal Trainer kann den Bewegungsablauf optimieren oder Defizite des Mitarbeiters können erkannt werden – beispielsweise Lese-Schwierigkeiten bei schriftlichen Anweisungen. Hier könnte man dem Mitarbeiter ein Lesetraining anbieten.

Wie können wir mit einem digitalen Assistenten interagieren?

Erich Eicher: In der Zukunft wird ein digitaler Assistent ein Hologramm sein, im Moment ist es ein Video oder eine Animation oder einfach nur eine schriftliche Anleitung. Entscheidend ist, dass wir mitlernen, wenn ein Fehler passiert. Entweder wissen wir schon, wie man diesen behebt oder wenn man diesen Fehler beheben möchte, dann geht man Schritt für Schritt vor: Die einfachste Variante wäre ein Text, den man quittieren muss. Die zweite Variante wäre ein Video mit einem freundlichen Sprecher, der interaktiv auf Sprache reagiert. Nach der Anweisung Fehler beheben erzählt der digitale Assistent, was man tun muss, um den Fehler zu korrigieren. Mit einem Hologramm würde es ebenso funktionieren – es zeigt uns räumlich, wo wir eingreifen müssen. Die einfachste Form eines digitalen Assistenten wäre ein Supervisor, eine reale Person irgendwo im Netz, an den man sich wendet und der kommuniziert. Interessant ist diese Variante für große Lager mit mehreren hundert Arbeitsplätzen.

Ist die Zukunftsvision das menschenfreie, autonome Lager?

Erich Eicher: Auch diese Überlegungen waren schon Teil des Future Teams. Es gibt bereits Anbieter, die Fehlerbehebungen remote machen. Der Roboter kommissioniert, tritt ein Fehler auf, schaltet er auf einen zentralen Hilfedienst, z.B. im Headquarter des Roboter-Erzeugers. Eine Person navigiert den Roboter manuell und behebt den Fehler remote. Es ist also alles möglich. Ich glaube, dass sich in Zukunft das 24/7-Prinzip und die Vorteile, keine Infrastruktur für Mitarbeiter mehr zu benötigen, durchsetzen wird. So kann man in Zukunft auch billiger produzieren.

In welchen Bereichen ist der Mensch der Maschine überlegen?

Thomas Johaim Interview
Thomas Johaim, Senior Product Manager KNAPP AG

Der Mensch ist dem Roboter sowohl mit seinen kognitiven Fähigkeiten, Daten richtig zu verstehen und zu interpretieren, überlegen, als auch in der Variabilität und Flexibilität.

Thomas Johaim: Roboter haben immer noch ein eingeschränktes Produktspektrum, das sie vernünftig greifen können. Das wird sich aber sukzessive verbessern und in naher Zukunft werden Roboter auch zerbrechliche Produkte und verschiedene Gewichtsstufen greifen können. Heute ist der Mensch noch zu 100 Prozent flexibel, wenn es darum geht, Situationen zu erkennen und darauf einzugehen, vor allem wenn sich Situationen nicht oft wiederholen. Durch künstliche Intelligenz werden Roboter Szenarien lernen und wissen, was in einer bestimmten Situation passieren muss. Genauso wie ein Mensch das macht.

Ist der Smart Worker ein Mensch oder eine Maschine?

Thomas Johaim: Betrachtet man diese Frage in einem Zeithorizont von 10 Jahren ist der Smart Worker noch ein Mensch. Wegen seiner Fähigkeit, Daten zu interpretieren, hat der Mensch noch eine gewisse Überlegenheit. Dann übernehmen Maschinen die Macht (lacht). Bis dahin gilt es, den menschlichen Smart Worker mit digitalen Assistenten und Gadgets zu unterstützen, damit er körperliche Tätigkeiten und Routinearbeiten vermeiden kann und mehr zum Überwacher wird als zum Ausführer.

Was ist Ihre ganz persönliche Vision vom Arbeitsplatz der Zukunft?

Thomas Johaim: Ein Arbeitsplatz, der sehr stark funktional getrieben ist. Je nach Funktion geschieht dies über einen Menschen oder eine Maschine. Diese Funktionen müssen durch sehr flexible, modulare Bausteine relativ einfach und unkompliziert ineinandergreifen.

Erich Eicher: In meiner Vision sind Schreibtische überflüssig, wir agieren nur mehr in virtuellen Räumen. Die neue Generation wird zwar auch soziale Bedürfnisse haben, aber andere als wir. Soziale Interaktion wird durch die Vernetzung abgelöst. Durch die internationale Vernetzung steht auch dem Wachstum nichts mehr im Wege, da wir keine Arbeitsplätze und Parkplätze mehr benötigen und Ressourcen global genutzt werden können.

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Margit Wögerer
Margit Wögerer
Brand Communications
Healthcare Solutions
Margit betreut in unserem Blog die Themenvielfalt rund um den Bereich Healthcare. Mit ihren Geschichten und Interviews gibt sie spannende Einblicke in die Welt der intelligenten Logistik-Lösungen für das Gesundheitswesen von Produktion über Distribution bis hin zum Patienten.

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Zusätzliche Informationen

KNAPP Future Teams

Unsere Future Teams beschäftigen sich mit Trendthemen, den damit einhergehenden Technologien und deren Umsetzbarkeit für die Logistik. Die Aufgaben sind dabei breit gestreut und gehen von tiefgehenden Recherchen über die Erstellung von Konzepten bis zu Machbarkeitsstudien. Auf Basis der Ergebnisse wird entweder ein Funktionsmuster entwickelt oder die Entscheidung getroffen, dass eine Technologie nicht weiterverfolgt wird.

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