Coding – Fähigkeit der Zukunft.

Veröffentlicht am in Interview, Technologie, Trends
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Algorithmen dominieren weite Teile unserer Gesellschaft. Ohne Software funktioniert keine moderne Technologie. Innovative Prozesse beinhalten stets auch digitale Anwendungen. Mit Coding gestalten wir diese digitale Welt: Coding ist mehr als eine technische Fähigkeit. Wer die Programmiersprachen kann, versteht die Zusammenhänge und Auswirkungen von Technologien und kann diese beeinflussen.

KNAPP zählt zu einem der größten IT-Arbeitgeber in der Steiermark und beschäftigt mehr als 1000 Menschen im Softwarebereich. Unter anderem wurde vor 2 Jahren die Lehre «Applikationsentwicklung Coding» gestartet. Unsere Lehrlinge Fereshte Dorodyan und Valmir Valci sind von Beginn an dabei. Warum das Arbeiten mit Algorithmen und Programmiersprachen eine kreative Aufgabe ist, viel Spaß machen kann und man dafür kein Mathe-Genie sein muss, erklären sie im Interview.

Zwei junge Menschen sitzen einander gegenüber und geben Codes in die Tastatur ein.
Valmir Valci und Fereshte Dorodyan sind im 2. Lehrjahr des Lehrberufs «Applikationsentwickler Coding» bei KNAPP.

Coding gehört zu den Fähigkeiten der Zukunft. Was ist Coding genau?

Fereshte: Ein guter Vergleich ist die Fernbedienung des Fernsehers. Man kann lauter oder leiser stellen. Diese Befehle müssen entwickelt und programmiert werden. Viele alltägliche Gegenstände durchlaufen einen solchen Prozess. Das Entwickeln dieser Befehle nennt man Coding. Generell ist Coding ein sehr interessantes Fach, man kann etwas erschaffen und bauen. Wenn man für technische Geräte alltägliche Abläufe programmiert, macht man diese Dinge dadurch lebendig.

Valmir: Mit Coding erstellst du eine Anwendung, eine Applikation.

Also ist Coding kurz gesagt einfach ein Code, der den Computer steuert?

Valmir: Nein nicht ganz, zwischen der Applikation und den Computer gibt es einen Übersetzer – den Compiler oder auch Interpreter genannt. Diese Übersetzer übersetzen den Quellentext in die für den Computer verständliche Sprache.

Viele denken vielleicht, dass Coding abstrakt und langweilig ist. Was meint ihr dazu?

Valmir: Das stimmt ganz und gar nicht. Ich finde Programmieren sogar sehr spannend und interessant. Man kann seine Kreativität und seine Fantasie entfalten und ein wunderbares Programm erstellen. Klar braucht man auch Geduld, nicht alles funktioniert von Anfang an. Man kann Coding auch mit dem Zusammenbau eines Schranks vergleichen, für den man keine Anleitung hat. Dann muss man halt probieren und verschiedene Wege versuchen, bis man es geschafft hat.

Fereshte: Kreativität ist bei Coding ein entscheidender Faktor, unter anderem für das Oberflächendesgin oder im Aufbau von Source Codes. Das ist keinesfalls langweilig.

Ist es wichtig, dass man gut in Mathematik ist? Oder braucht es einfach Geduld und logisches Denken?

Valmir: Beides ist wichtig für das Programmieren, da sehr viele Funktionen im Hintergrund mathematische Aufgaben beinhalten. Natürlich wäre es gut, wenn man versteht was da passiert. Geduld ist ebenso sehr wichtig für das Programmieren, da nicht alles von Anfang an immer so funktioniert, wie man es will. Es kann sogar vorkommen, dass man stundenlang an einer kleinen Funktion sitzt. Wenn man es schließlich geschafft hat, das Problem zu lösen, ist man umso glücklicher und stolz auf sich selbst.

Fereshte: Mathematische Kenntnisse sind ein Vorteil, doch wichtiger sind logisches Denken und Kreativität. Die hohe Kunst des Programmierens besteht darin, komplexe Abläufe und Algorithmen in eine immer einfachere und kürzere Form zu bringen, was auch die Fehleranfälligkeit reduzieren hilft. Wie andere Sprachen auch, haben die Programmiersprachen eine eigene Grammatik, also Regeln in Form von Befehlen und Anweisungen. Das geht natürlich nicht ohne ein bisschen Auswendiglernen.

Immer wieder hören wir, wie wichtig Algorithmen sind. Was ist eigentlich ein Algorithmus?

Valmir: Ein Algorithmus besteht aus einer festgelegten Abfolge von logischen Schritten, nicht unähnlich etwa den einzelnen Schritten eines Kochrezepts. Dieser Algorithmus ist auch die Grundlage dafür, welche Nachrichten und Bilder uns auf Facebook angezeigt werden ­– sie beruhen auf der Auswertung unseres bisherigen Nutzungsverhaltens.

Fereshte: Die Grundlagen des Verknüpfens von solchen logischen Elementen lernen Kinder heute schon in der Volksschule. Sie können sich daher mit dem Denken in diesen Kategorien schon sehr früh vertraut machen. Insofern hat es schon sehr viel mit dem Erfassen von logischen Abläufen zu tun, die man eben beim Programmieren beachten muss, damit es funktionieren kann.

Zwei junge Erwachsene sitzen am Tischen und tippen auf ihrem Laptop.
Coding ist die Sprache der digitalen Welt. Es hat viele Vorteile sie zu beherrschen.

Es gibt weit über 500 Programmiersprachen. Wie findet man die richtige Programmiersprache heraus? Bzw. mit welcher sollte man beginnen, um in der Logistikbranche zu arbeiten?

Fereshte: Man kann mit einer einfacheren Programmiersprache wie Python oder C# anfangen. Wenn man ein oder zwei Programmiersprachen mit Konzept lernt, dann kann man weitere Programmiersprachen einfach dazulernen und nutzen. Die Konzepte sind ähnlich. Für die Logistikbranche hängt vieles davon ab, mit welchen Systemen eine Firma arbeitet. Die gängigen Sprachen sind Python, ABAP, Java und C#, die werden auch in der Berufsschule unterrichtet.

Valmir: Ich habe mit der Programmiersprache Python angefangen zu programmieren, da sie einfach zu erlernen, plattform-unabhängig und kostenlos ist. Wichtig ist, dass die erste Programmiersprache, die man lernt, up-to-date ist und nicht veraltet. Da Java eine der meist benutzten Programmiersprachen ist, würde ich Java erlernen, da diese sicher in der Logistikbranche gebraucht wird.

Coding sollte ein Teil der Allgemeinbildung sein, denn Code ist die Sprache der digitalen Welt. Algorithmen und Software dominieren bereits weite Teile unserer Gesellschaft. Wie hilft dir dein Wissen im Alltag?

Valmir: Einerseits hat mir das Programmieren Geduld beigebracht und anderseits hilft es mir zu Hause in der Freizeit. Ich kann für alltägliche Abläufe selbst die Software programmieren – zum Beispiel eine Überwachsungskamera. Ich finde, dass eine Programmiersprache genau so ist wie eine andere Sprache: Je früher man anfängt sie zu lernen, desto schneller und besser kann man die Sprache auch.

Fereshte: Ich wurde durch diesen Beruf genauer und ordentlicher. Generell verstehe ich wie viele alltägliche Applikationen funktionieren, zum Beispiel Facebook oder Whatsapp.

Warum ist Coding auch für Mädchen und Frauen so interessant?

Fereshte: Der Beruf ist spannend, macht viel Spaß und bietet zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. Ich kann es jungen Frauen nur sehr empfehlen, diesen Beruf zu ergreifen, da man hier auch sehr viel individuelle Gestaltungsmöglichkeiten hat und seine kreative Persönlichkeit einbringt. Außerdem lässt sich die Tätigkeit gut mit der Familie vereinbaren. Coding funktioniert sehr gut im Homeoffice und das zu jeder Tageszeit.

Valmir: Ich finde auch, dass mehr Frauen in dieser Sparte tätig sein sollten, sie arbeiten genauer und ordentlicher, verfügen über mehr Kreativität und Phantasie, was sich positiv auf die Gestaltung von Software und deren Algorithmen auswirkt.

Zwei junge Menschen sitzen am Boden mit dem Laptop.
Teamwork ist auch im Coding wichtig. Jeder bringt seine Stärken ein.

Wie arbeitet man beim Coding zusammen – zu zweit oder im Team?

Valmir: Kleine Applikationen werden alleine gemeistert. Zeitaufwendigere Applikationen machen wir gemeinsam. Jeder wird je nach seinen Stärken für einen Source-Teil eingesetzt.

Fereshte: Jeder kann eine gute Idee haben. Daher finde ich es besser, wenn wir im Team arbeiten und dann entscheiden, welche Lösung am besten passt.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

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Karin Reder
Karin Reder
PR & Employer Branding
Mitarbeiter und potenzielle Mitarbeiter von KNAPP zu begeistern – das ist Karins Leidenschaft. In unserem Blog gibt sie Einblicke in die Arbeitswelten der KNAPP-Gruppe. Außerdem lässt sie unsere Mitarbeiter zu Wort kommen, die davon erzählen, wieso ihr Herz für KNAPP schlägt.

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Zusätzliche Informationen

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13. März 2020
Die Herausforderung: Junge IT-Talente lösen eine kniffelige Programmieraufgabe aus der Logistikpraxis. Den drei Besten in den beiden Kategorien „Schüler“ und „Studenten“ winken Preisgelder in der Höhe von je 1.000, 800 und 500 Euro.

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