Retourenlogistik: Herausforderungen, Strategien und Technologien

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Retouren gehören im E-Commerce längst zum Alltag, besonders im Fashion-Bereich, wo Rücksendequoten von 30 bis 50 Prozent keine Seltenheit sind. Für Händler bedeutet das hohe Kosten und die Aufgabe, Produkte schnell wieder verfügbar zu machen. Ein effizientes Retourenmanagement ist entscheidend, um Kundenzufriedenheit zu sichern und Prozesse wirtschaftlich zu gestalten.

Doch wie wird Retourenlogistik zum Wettbewerbsvorteil? In diesem Artikel zeigen wir die größten Herausforderungen, geben Strategien an die Hand und erklären, wie Technologien und Automatisierung die Abwicklung vereinfachen. Wer den Retourenprozess optimiert, senkt Kosten, steigert Effizienz und schafft echten Mehrwert für Kunden und Unternehmen.

Die Herausforderungen im Retourenmanagement in der Logistik

Hohe Retourenquoten

Im Fashion-Bereich sind Retouren besonders ausgeprägt. Neue Kollektionen und Kampagnen führen oft zu Rücksendequoten von 30-50 %. Das bedeutet: Ein erheblicher Teil des Wareneingangs besteht aus Rücksendungen, die schnell und effizient verarbeitet werden müssen, um Lagerkosten und Umsatzverluste zu vermeiden.

Lange Durchlaufzeiten

Viele Händler lagern den Retourenprozess an externe Dienstleister (3PL) aus. Dort wird die Ware neu aufbereitet und verpackt, bevor sie zurück ins Lager geht. Das Problem: Die Durchlaufzeiten sind oft zu lang. Bei schnelllebigen Trends im Fashion-Bereich ist die Ware häufig nicht mehr relevant, wenn sie wieder verfügbar ist. Das kann den Erfolg ganzer Kampagnen gefährden.

Komplexität im Lager

Retouren bringen zusätzliche Komplexität in die Lagerprozesse. Unterschiedliche Produktarten, Mischbehälter und Qualitätskontrollen erfordern präzise Abläufe. Fehler in der Retourenlogistik, wie bei der Rückführung, der Sortierung oder Kommissionierung, führen nicht nur zu Verzögerungen, sondern auch zu höheren Kosten und unzufriedenen Kund:innen.

Hohe Kundenerwartungen

Kund:innen erwarten heute ein reibungsloses Retourenmanagement. Dabei spricht man nicht nur von einer schnellen Geld-Rückerstattung, sondern auch von einer transparenten Kommunikation und einer hohen Produktverfügbarkeit. Wenn ein Artikel nach einer Retoure nicht zeitnah wieder online verfügbar ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit für einen Wiederverkauf drastisch. Zudem beeinflusst die Geschwindigkeit der Retourenabwicklung die Kundenzufriedenheit und damit die Markenbindung.

Die große Entscheidung für Ihr Retourenmanagement: Inhouse oder Outsourcing?

Viele Händler stehen vor der Frage, ob sie die Retourenabwicklung selbst erledigen, oder, ob sie den Retourenprozess an einen Dienstleister (3PL) auslagern. Beim Outsourcing wird die Ware neu aufbereitet und verpackt, bevor sie zurück ins Lager geht. Die Durchlaufzeiten sind dabei jedoch oft sehr lange, insbesondere im Fashion-Bereich oder anderen Retail-Kategorien, wo Trends schnell wechseln. Bei Inhouse-Prozessen kommt die Retoure direkt ins Lager zurück. Dabei ergeben sich für Retailer einige Vorteile im Retourenmanagement.

Höhere Wiederverkaufswahrscheinlichkeit

Die Ware ist deutlich schneller wieder verfügbar, sodass sie innerhalb der Kampagnenlaufzeit oder Saison erneut verkauft werden kann. Das reduziert Umsatzverluste und steigert die Effizienz in der Retourenlogistik.

Return-First-Prinzip

Retouren werden bevorzugt ausgeliefert, da sie bereits einen Qualitätscheck durchlaufen haben. Mit einem Inhouse-Retourenprozess kann dieser Logik schneller nachgekommen werden. Zudem werden Doppelhandling und Überbestände reduziert und damit Kapitalkosten gesenkt.

Mehr Nachhaltigkeit

Durch die direkte Rückführung und Retourenabwicklung im Lager muss weniger Ware neu eingelagert werden. Das reduziert den Ressourcenverbrauch und unterstützt eine nachhaltige Lieferkette.

Schnelle Bestandsfreigabe

Dank Vorankündigung der Retoure und Angabe des Rücksendegrunds kann das WMS sofort nach Wareneingang des Retourkartons eine Bestandsfreigabe an das ERP melden. So wird die Ware schneller online angezeigt und bleibt für Kund:innen verfügbar.

Optimale Auslastung im Tagesverlauf

Im E-Commerce treffen Retouren meist am Vormittag von Zustelldiensten ein, während Bestellungen am Nachmittag nach der regulären Arbeitszeit steigen. Diese zeitliche Verteilung ermöglicht eine effiziente Nutzung von Personal und Lagerkapazitäten.

Strategien für eine effiziente Retourenlogistik

Ein Schlüssel zur Effizienz im Retourenmanagement liegt in der Wahl des richtigen Prozesses und der passenden Technologie. Wir haben zwei effiziente Ansätze für Retourenlogistik zusammengefasst. Für eine gesamtheitliche Betrachtung erklären wir im ersten Schritt jedoch Retoureneingang und -Aufbereitung.

Eine Retoure erreicht das Lager

  • Die im Wareneingang angekommenen Retourwaren werden zuerst noch verpackt als Kartons erfasst, danach manuell oder automatisiert an die Arbeitsstationen transportiert und mittels eines Scans einzeln vereinnahmt.
  • An den Arbeitsstationen wird an der Retoure ein Qualitätscheck vorgenommen sowie ein Qualitätsstatus vergeben.
  • Ist ein Qualitätsmangel sichtbar, so wird die Ware wieder verkaufsfähig aufbereitet. Muss die Ware dazu an einen anderen Ort im Lager, kann hier ein Taschensorter oder Fördertechnik als Transportmittel genutzt werden.
  • Ist die Retoure einwandfrei, wird diese wieder verkaufsfertig verpackt.

Effizientes Retourenhandling mit Taschensorter

  • An intelligenten Arbeitsplätzen wie den Pick-it-Easy Pocket-Arbeitsplätzen können Retourartikel entweder von Mitarbeiter:innen oder einem Roboter einzeln erfasst und an eine Tasche übergeben werden.
  • Der Artikel und damit die Tasche kann im dynamischen Puffer exakt verfolgt werden und ist so jederzeit zum Wiederversand verfügbar.
  • Für die weitere Auftragsbearbeitung werden diese Retouren vorrangig verwendet, automatisch ausgelagert und gemeinsam mit anderen Artikeln kombiniert zu neuen Aufträgen sequenziert.

Die Taschensorterlösung für die Retourenlogistik ist besonders sinnvoll, wenn auch die Kommissionierung mittels Taschensorter gelöst wird. Somit können Retouren aus dem dynamischen Puffer durch Sequenzierung effizient einem neuen Auftrag zugeordnet werden. Zudem eignet sich die Taschensorterlösung vor allem für den Fashion-Bereich und auch für Hängeware.
Eine Person übergibt eine Schachtel an eine Sortertasche an einem Pick-it-Easy-Pocket-Arbeitsplatz.
Pick-it-Easy-Pocket-Arbeitsplatz: Hier wird die Retour-Ware an die Tasche übergeben
Dynamischer Puffer als Element des Taschensorters in Aktion.
Dynamischer Puffer für effizientes Retourenhandling

Effizientes Retourenhandling mit Shuttlelager

  • Beim Decanting der Retourenware werden Mischbehälter erstellt, die eine intelligente Software im Hintergrund nach definierten Regeln steuert. So darf beispielsweise kein weißes T-Shirt der Größe M zwei Mal in einem Mischbehälter vorkommen, damit im nachgelagerten Kommissionierprozess die Fehlerwahrscheinlichkeit reduziert wird.
  • Diese Mischbehälter werden automatisch den besten Plätzen im Shuttlelager zugeordnet und dort eingelagert.
  • Nach einem neuen Auftragseingang werden Retourartikel automatisch ausgelagert und mit anderen Artikeln zu neuen Aufträgen kombiniert. Intelligente Arbeitsplätze mit einer benutzerfreundlichen Oberfläche und doppelter Zero-Defect-Absicherung sorgen für fehlerfreie Kommissionierung – auch bei Mischbehältern.

Die Variante das Shuttlelager als Herzstück des Retourenprozesses einzusetzen ist vor allem dann sinnvoll, wenn auch andere Lagerprozesse mit einem Shuttlelager abgewickelt werden. Auch für Liegeware eignet sich dieses System optimal.
Shuttles übernehmen das Ein- und Auslagern von Behältern im automatischen Shuttlelager.
Automatisches Shuttlelager als Effizienztreiber für die Retourenabwicklung.

Daten als Effizienztreiber in der Retourenlogistik

Eine moderne Retourenabwicklung ist ohne Software kaum denkbar. Ein leistungsfähiges Warehouse Management System (WMS) bildet den gesamten Retourenprozess ab, klassifiziert Produkte nach Schnell- und Langsamdrehern und reserviert die besten Lagerplätze für Retouren. Bestände werden sofort nach Eingang der Retoure an das ERP gemeldet, sodass die Ware schnell wieder online verfügbar ist. Ergänzend liefern Analytics und Dashboards wertvolle Einblicke in Retourenquoten oder Durchlaufzeiten und ermöglichen die Erstellung von präzisen Prognosen.

Fazit

Effizientes Retourenmanagement ist ein strategischer Hebel für Umsatz, Kundenzufriedenheit und langfristige Kundenbindung. Wer Prozesse optimiert, Daten nutzt und die richtige Technologie einsetzt, kann aus Retouren einen echten Wettbewerbsvorteil machen. Eine reibungslose und transparente Retourenlogistik steigert nicht nur die Zufriedenheit, sondern erhöht auch die Wahrscheinlichkeit eines Wiederkaufs. So wird Retourenmanagement zu einem zentralen Bestandteil einer erfolgreichen Customer Experience-Strategie.