Eine automatisierte Logistikanlage wirkt kurz vor der Übergabe oft schon fertig: Fördertechnik, Shuttles, Sensoren, Antriebe und Arbeitsplätze sind installiert, Kabel sind verlegt und die Software ist vorbereitet. Doch genau jetzt beginnt eine Phase, die über den späteren Erfolg entscheidet. Im Controls Commissioning wird geprüft, ob alle Komponenten nicht nur einzeln funktionieren, sondern als Gesamtsystem zuverlässig zusammenspielen. Aus Mechanik, Elektrik und Software entsteht Schritt für Schritt ein stabiler Materialfluss. Wie diese technische Feinarbeit aussieht und warum die letzten Meter vor dem Go-Live so entscheidend sind, erfährst du in diesem Blog.
Warum Controls Commissioning mehr ist als ein letzter Test
Abteilungsintern werden Controls Commissioners nicht ohne Grund auch „Flowmasters“ genannt. Sie sorgen dafür, dass Materialfluss, Informationsfluss und technische Prozesse ineinandergreifen. Frei nach dem Motto aus dem Team: „With the Flowmasters we go faster and avoid any disaster.“ Was humorvoll klingt, beschreibt eine anspruchsvolle Aufgabe: Maschinen, Steuerungen und Software werden Schritt für Schritt zum Leben erweckt.
In der Planung ist jeder Ablauf definiert. Auf der Anlage stellt sich dann heraus, ob diese Planung auch in der Realität funktioniert. Sensoren müssen im richtigen Moment melden, Motoren korrekt reagieren, Sicherheitsbereiche eingehalten werden und SPS-Steuerungen die vorgesehenen Entscheidungen treffen. Wenn ein Behälter erkannt wird, muss die Information zur richtigen Zeit an die richtige Steuerung gelangen. Danach reagiert ein Antrieb, eine Weiche stellt sich, ein Shuttle fährt los oder ein Arbeitsplatz erhält die nächste Aufgabe.
Damit diese Kette ohne Brüche funktioniert, braucht es technisches Verständnis über mehrere Ebenen hinweg. Mechanical Engineering, Installation und Software Engineering schaffen die Grundlage. Controls Commissioning sorgt dafür, dass SPS-Steuerungen, Sensoren, Motoren, Shuttles und Visualisierungssysteme im Betrieb zusammenfinden. Erst, wenn die gesamte Anlage getestet, optimiert und erfolgreich in Betrieb genommen wurde, ist ein Projekt bereit für den Kunden.
SPS, Signalzeiten und Millisekunden: worauf es wirklich ankommt
In modernen Logistikzentren laufen unzählige Prozesse gleichzeitig ab. Viele Entscheidungen werden innerhalb kürzester Zeit getroffen. Ein Signal kommt an, wird verarbeitet und löst den nächsten Schritt aus. Schon kleine Verzögerungen oder eine falsch interpretierte Rückmeldung können Auswirkungen auf den Materialfluss haben. Deshalb achten die Teams im Controls Commissioning besonders auf Signalzeiten, Freigaben, Schnittstellen und die Reihenfolge einzelner Aktionen.
Genau hier liegt der technische Reiz der Aufgabe. Nicht jedes Problem ist auf den ersten Blick sichtbar. Manche Ursachen zeigen sich erst bei bestimmten Lastsituationen oder wenn mehrere Systeme gleichzeitig aktiv sind. Dann beginnt technische Detektivarbeit: Signale werden verfolgt, Zustände verglichen, Logiken geprüft und Abläufe Schritt für Schritt eingegrenzt. Liegt es an der Sensorik, an der Verdrahtung, an der Steuerung, an einer Schnittstelle oder am Zusammenspiel mehrerer Faktoren?
Perspektive aus dem Team: Verantwortung bis zur Übergabe
Wie viel Koordination und technische Verantwortung in dieser Phase steckt, beschreibt Patrik Pichler, Teamleiter im Controls Commissioning. Seit 2017 ist er bei KNAPP, seit 2021 verantwortet er als Teamleiter Projekte seines Teams. Für ihn gehören Abstimmungen, Projekt-Handling und Mitarbeiter:innenentwicklung genauso dazu wie der technische Fokus kurz vor der Übergabe der Anlage an den Kunden.

„Das Schönste an meinem Job ist die Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeiter:innen. Zu sehen, wie sie mit jedem Projekt wachsen, neue Fähigkeiten entwickeln und über sich hinauswachsen, motiviert mich jeden Tag aufs Neue.“
Patrik Pichler, Teamleiter Controls Commissioning
Das beschreibt gut, worum es im Controls Commissioning geht: Die Arbeit ist technisch hochpräzise, aber nie losgelöst vom Team. Gerade in internationalen Projekten müssen viele Menschen, Fachbereiche und Blickwinkel zusammenkommen, damit eine Anlage stabil läuft.
Vom Einzeltest zum stabilen Gesamtsystem
Die Inbetriebnahme erfolgt schrittweise. Zuerst werden einzelne Komponenten geprüft: Sensoren, Motoren, Schalter, Scanner, Sicherheitsfunktionen oder Bediengeräte. Danach folgen ganze Anlagenbereiche. Erst wenn diese stabil laufen, wird das Zusammenspiel größerer Systemteile getestet. So wächst die Anlage kontrolliert vom einzelnen Signal zum durchgängigen Materialfluss.
Ein wichtiger Teil dieser Phase sind Tests unter realistischen Bedingungen. Die Teams simulieren typische Abläufe, hohe Auslastung, Störungen oder Sonderfälle.
Was passiert, wenn ein Behälter nicht gelesen werden kann?
Wie reagiert das System, wenn ein Bereich kurzzeitig blockiert ist?
Wie schnell findet die Anlage wieder in den Normalbetrieb zurück?
Erst wenn solche Situationen sauber beherrscht werden, ist die Anlage bereit für den Betrieb.
Technik, deren Wirkung man sofort sieht
Auch Christoph Pendl kennt diese Arbeit direkt an der Anlage. Der Technical Expert ist seit 2011 bei KNAPP und kam über eine Lehre als Mechatroniker mit Schwerpunkt SPS-Technik ins Unternehmen. Heute unterstützt er Teams auf Baustellen und arbeitet eng mit der Entwicklung zusammen, unter anderem bei Technologien wie dem Kommissionier-Roboter Pick-it-Easy Robot oder dem Hochleistungs-Lagersystem Evo Shuttle. Was ihn besonders begeistert, ist die unmittelbare Wirkung technischer Lösungen.

„Mir macht vor allem die SPS-Technik Spaß. Oft sind es kleine Anpassungen oder Lösungen, die man selbst entwickelt. Und das Schöne ist, dass man die Wirkung sofort sieht.“
Christoph Pendl, Technical Expert Controls Commissioning
Diese Nähe zur Anlage macht Controls Commissioning besonders. Lösungen entstehen nicht nur am Bildschirm, sondern im direkten Zusammenspiel mit Mechanik, Elektrik, Software und realem Materialfluss. Wenn eine Anpassung funktioniert, wird das Ergebnis unmittelbar sichtbar: Ein Ablauf wird stabiler, ein Übergang sauberer, eine Störung nachvollziehbar.
Erfahrung, die in die nächsten Projekte zurückfließt
Controls Commissioning endet nicht mit dem einzelnen Projekt. Erkenntnisse aus Tests, Optimierungen und Fehleranalysen fließen zurück in Produkte, Standards, Prozesse und Tools. Je genauer technische Herausforderungen verstanden werden, desto wertvoller sind sie für zukünftige Anlagen. So wird aus jeder Inbetriebnahme auch ein Lernprozess für die nächsten Projekte.
Genau diese Kombination aus technischem Know-how, Problemlösungskompetenz und Teamarbeit zeichnet Controls Commissioning aus. Die Kolleg:innen verbinden mechatronische Systeme mit Softwarelösungen und sorgen dafür, dass aus tausenden Einzelteilen ein abgestimmtes Gesamtsystem entsteht. Kurz vor dem Go-Live entscheidet sich, ob Planung, Entwicklung und Umsetzung wirklich zusammenpassen. Und genau dort sorgen die Flowmasters dafür, dass aus Technik ein funktionierender, stabiler Materialfluss wird.
Einblicke
Du möchtest wissen, wie Controls Commissioning in der Praxis aussieht? In den Videos geben Patrik und Christoph Einblicke in ihren Alltag. Außerdem findest du weitere spannende Informationen im Blogartikel „Was macht eigentlich ein Controls Commissioning Engineer bei KNAPP?“.